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Ehemalige Legehennen – Ein zweites Leben voller Chancen und besonderer Verantwortung

Warum gerettete Legehennen besondere Fürsorge brauchen

Gesundheit, Pflege, ein zweites Leben | Tierheilpraxis Natürlich Gesund

Jedes Jahr erhalten tausende Legehennen durch Tierschutzorganisationen die Chance auf ein neues Leben. Nach etwa 12 bis 18 Monaten werden sie aus der industriellen Eierproduktion ausgemustert, weil sie wirtschaftlich nicht mehr rentabel sind und das obwohl sie noch viele Jahre leben könnten.

Für viele Menschen beginnt mit der Adoption ehemaliger Legehennen eine besondere Reise. Die Tiere lernen zum ersten Mal Gras unter ihren Füßen kennen, genießen Sonnenstrahlen, nehmen ein Staubbad oder schlafen auf einer Sitzstange – Dinge, die für andere Hühner selbstverständlich sind.

Doch mit dieser zweiten Chance geht auch eine große Verantwortung einher. Denn ehemalige Legehennen bringen häufig gesundheitliche Vorbelastungen mit, die eine aufmerksame Betreuung und manchmal auch eine langfristige medizinische Begleitung erfordern.

Warum werden Legehennen so früh aussortiert?

Moderne Legehybriden wurden über Jahrzehnte auf eine möglichst hohe Eierleistung gezüchtet.

Während das ursprüngliche Bankivahuhn etwa 10 bis 20 Eier pro Jahr legt, produziert eine heutige Legehenne häufig über 300 Eier jährlich.

Diese enorme Legeleistung fordert den Körper jeden einzelnen Tag.

Sobald die Legeleistung wirtschaftlich nachlässt, werden die Tiere in vielen Betrieben ersetzt – obwohl sie biologisch noch einige Jahre leben könnten. Allerdings gibt es keine Forschungen und Untersuchungen darüber, wie alt diese Hochleistungshennen werden können, da für sie kein natürliches Altern vorgesehen ist.

Fakt ist: Diese Hennen werden sehr wahrscheinlich nicht an Altersschwäche sterben. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie vielmehr nach etwa 1-2 Jahren, manche auch früher, und einige auch später, wegen legehennentypischer Krankheiten eingeschläfert werden müssen.

Allerdings ist jeder einzelne Tag, den die Legehenne in Freiheit bei euch verbringen darf, jede Mühe wert.

Die ersten Tage nach der Rettung

Viele ehemalige Legehennen kommen in einem schlechten körperlichen Zustand in ihr neues Zuhause.

Häufig zeigen sie:

  • lückenhaftes oder fehlendes Gefieder
  • blasse Kämme
  • Untergewicht
  • Muskelabbau
  • lange Krallen
  • Unsicherheit gegenüber ihrer neuen Umgebung

Nicht selten haben die Tiere zum ersten Mal Kontakt mit Erde, Gras, Regen oder Sonnenlicht.

Viele Halter erleben bewegende Momente, wenn ihre Hühner zum ersten Mal scharren, staubbaden oder entspannt in der Sonne liegen.

Häufige gesundheitliche Probleme ehemaliger Legehennen

Durch die jahrelange hohe Legeleistung treten bestimmte Erkrankungen deutlich häufiger auf als bei ursprünglich gehaltenen Hühnerrassen.

Erkrankungen des Legeapparates

Besonders häufig sind:

  • Legedarmentzündungen und Schichteier
  • Dotterperitonitis
  • Windeier
  • Legenot
  • Schalenbildungsstörungen
  • Veränderungen des Eileiters

Diese Erkrankungen können akut auftreten oder sich über längere Zeit entwickeln.

Tumorerkrankungen

Leider entwickeln ehemalige Legehennen vergleichsweise häufig Tumoren des Legeapparates.

Dazu gehören unter anderem:

  • Eierstocktumore
  • Tumore im Legedarm
  • Tumoröse Veränderungen im Bauchraum
  • Metastasen in umliegende Organe

Viele Veränderungen bleiben zunächst unbemerkt, weshalb eine regelmäßige Beobachtung besonders wichtig ist.

Osteoporose und Kalziummangel

Für die tägliche Eibildung benötigt der Körper große Mengen Kalzium, ca. 2 - 2,5 g pro Ei, das von der Henne über die Nahrung gar nicht aufgenommen werden kann.

Reicht die Versorgung nicht aus, greift der Organismus auf die körpereigenen Knochenreserven zurück.

Die Folgen können sein:

  • Knochenbrüche, insbesondere die langen Röhrenknochen und das Brustbein
  • Instabilität
  • Lahmheiten
  • Schmerzen

Parasiten und Infektionen

Auch Milben, Würmer oder bakterielle Infektionen können ehemalige Legehennen stärker belasten, insbesondere wenn das Immunsystem bereits geschwächt ist.

Gesundheit beginnt mit guter Haltung

Eine artgerechte Haltung kann viele gesundheitliche Probleme zwar nicht vollständig verhindern, unterstützt die Tiere jedoch erheblich.

Dazu gehören:

  • ausreichend Platz
  • strukturierter Auslauf
  • hochwertige Ernährung
  • sauberes Trinkwasser
  • regelmäßige Stallhygiene
  • Schatten und Wetterschutz
  • Beschäftigungsmöglichkeiten
  • stressarme Haltung

Ein stabiles Umfeld hilft den Hühnern, sich körperlich und seelisch zu erholen.

Die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung

Gerade ehemalige Legehennen profitieren von einer bedarfsgerechten Ernährung.

Wichtige Bestandteile sind:

  • hochwertiges Alleinfutter (speziell für Legehennen)
  • Muschelgrit
  • Magenkiesel
  • frisches Grünfutter
  • gelegentliche Kräuter
  • ausreichend Eiweiß während der Regeneration

Auch eine gesunde Darmflora spielt eine entscheidende Rolle für das Immunsystem.

Naturheilkundliche Unterstützung

Naturheilkundliche Verfahren können ehemalige Legehennen in vielen Lebenssituationen sinnvoll begleiten.

Je nach individueller Situation können sie unterstützen bei:

  • Stärkung des Immunsystems
  • Förderung der Darmgesundheit
  • Rekonvaleszenz nach Erkrankungen
  • Begleitung chronischer Legeapparaterkrankungen
  • Unterstützung älterer Tiere
  • Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens
  • palliative Begleitung bei Tumorerkrankungen

Zum Einsatz kommen – je nach Einzelfall – beispielsweise Heilpflanzen, Vitalpilze (Mykotherapie), Homöopathie oder weitere naturheilkundliche Verfahren.

Wichtig: Naturheilkundliche Maßnahmen ersetzen keine tierärztliche Untersuchung oder notwendige schulmedizinische Behandlung, sondern können diese sinnvoll ergänzen.

Regelmäßige Gesundheitskontrollen sind besonders wichtig

Da ehemalige Legehennen ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen des Legeapparates haben, sollten sie regelmäßig beobachtet werden.

Achte bei Deinen Legehennen insbesondere auf:

  • Veränderungen der Legeleistung
  • Windeier
  • geschwollenen Bauch
  • Atemveränderungen
  • Gewichtsverlust
  • blasse Kämme
  • auffälligen Kot
  • eingeschränkte Beweglichkeit
  • Appetitlosigkeit

Je früher Veränderungen erkannt werden, desto besser können geeignete Maßnahmen eingeleitet werden.

Wenn Schulmedizin und Naturheilkunde zusammenarbeiten

Die beste Versorgung entsteht häufig dann, wenn Tierärzte und Tierheilpraktiker gemeinsam arbeiten.

Während der Tierarzt Diagnostik, Medikamente oder notwendige operative Eingriffe übernimmt, kann die naturheilkundliche Begleitung dazu beitragen, den Organismus zu unterstützen, Nebenwirkungen zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Gerade bei chronischen Erkrankungen oder in der palliativen Begleitung ehemaliger Legehennen kann diese Kombination sehr wertvoll sein.

Jede gerettete Legehenne ist einzigartig

Viele ehemalige Legehennen entwickeln sich innerhalb weniger Wochen erstaunlich.

Aus scheuen, erschöpften Tieren werden neugierige Persönlichkeiten mit ganz eigenem Charakter.

Wer ihnen Zeit, Geduld und Fürsorge schenkt, wird mit unzähligen besonderen Momenten belohnt – sei es das erste Staubbad, der erste Sprint über die Wiese oder das entspannte Sonnenbad im Gras.

Diese Tiere haben bereits viel geleistet. Umso mehr verdienen sie ein Leben, in dem Gesundheit, Fürsorge und Lebensqualität im Mittelpunkt stehen.

Fazit: Eine zweite Chance verdient die beste Unterstützung

Ehemalige Legehennen bringen oft gesundheitliche Herausforderungen mit, sind aber gleichzeitig außergewöhnlich dankbare und liebenswerte Tiere.

Mit einer artgerechten Haltung, einer ausgewogenen Ernährung, regelmäßigen Gesundheitskontrollen und einer individuellen medizinischen Begleitung können viele Hennen noch viele glückliche Jahre verbringen.

Wer sich für gerettete Legehennen entscheidet, rettet nicht nur ein Tier – sondern schenkt ihm die Chance, endlich ein echtes Hühnerleben zu führen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie alt werden ehemalige Legehennen?

Bei guter Haltung und medizinischer Versorgung können ehemalige Legehennen noch etwa 2 - 3 Jahre in ihrem neuen Zuhause verbrinden. Allerdings hängt die Lebenserwartung stark von bereits vorhandenen Erkrankungen ab.

Warum legen ehemalige Legehennen so viele Eier?

Legehybriden wurden über Jahrzehnte gezielt auf eine sehr hohe Legeleistung gezüchtet. Dadurch können sie mehr als 300 Eier pro Jahr produzieren – deutlich mehr als ihre wilden Vorfahren. Durch diese enorme Legeleistung bekommt ihr Körper auch keinerlei Zeit zur Regeneration und arbeitet ständig auf Hochtouren.

Welche Krankheiten treten besonders häufig auf?

Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Legedarmentzündungen, Windeier, Dotterperitonitis, Legenot, Tumoren des Legeapparates sowie Osteoporose infolge der hohen Kalziumbelastung.

Kann Naturheilkunde ehemaligen Legehennen helfen?

Naturheilkundliche Verfahren können die Gesundheit und Lebensqualität unterstützen, beispielsweise durch die Förderung der Darmgesundheit, des Immunsystems oder die Begleitung chronischer Erkrankungen. Sie ersetzen jedoch keine notwendige tierärztliche Behandlung.

Meine Erfahrung mit ehemaligen Legehennen

Am 9. April 2022 durfte ich über den Verein „Rettet das Huhn“ fünf ehemalige Legehennen aus einer Bodenhaltung bei mir aufnehmen. Dieser Tag hat mein Leben nachhaltig verändert und meinen Blick auf die gesundheitlichen Herausforderungen von Legehybriden geprägt.

Schon wenige Tage nach ihrer Rettung erkrankte meine Henne Dori schwer an einer Legedarmentzündung, nachdem sie nur noch Windeier entwickelte. Trotz intensiver tierärztlicher Behandlung mit Antibiotika und einer Hormontherapie heilte die Entzündung nie vollständig aus. Immer wieder kam es zu Rückfällen, bis sich schließlich Schichteier bildeten. Aufgrund ihrer Lage waren diese leider nicht operabel. Nach einem Jahr voller Hoffnung, Fürsorge und gemeinsamer Kämpfe mussten wir Dori schweren Herzens gehen lassen.

Auch Buffy schien anfangs kerngesund. Sie entwickelte sich zu einer selbstbewussten und lebensfrohen Henne, bis sich nach einiger Zeit tumoröse Veränderungen am Legedarm und im Bauchraum bemerkbar machten. Mit einer Kombination aus schulmedizinischer und naturheilkundlicher Begleitung durfte ich sie noch rund anderthalb Jahre palliativ begleiten und ihr eine gute Lebensqualität ermöglichen.

Meine Elsa verlor ich ebenfalls viel zu früh. Sie erkrankte an Leukose, einer schweren viralen Tumorerkrankung des Huhns, und hinterließ eine große Lücke in unserer kleinen Hühnerschar.

Heute leben noch Anneliese und Conny bei mir – beide inzwischen 5,5 Jahre alt und damit deutlich älter, als es für ehemalige Legehennen leider oft üblich ist. Auch sie kämpfen mit Tumorerkrankungen, werden jedoch palliativ begleitet und erhalten unterstützend eine individuell abgestimmte Mykotherapie. Trotz ihrer Diagnosen genießen beide ihr Leben in vollen Zügen – mit täglichen Sonnenbädern, Staubbädern, frischem Gras und allem, was ein echtes Hühnerleben ausmacht.

Diese Hennen haben mir gezeigt, wie belastend die enorme Legeleistung für den Körper sein kann. Gleichzeitig haben sie mir aber auch beigebracht, wie viel Lebensfreude, Persönlichkeit und Lebensqualität selbst chronisch kranke Tiere noch entwickeln können, wenn sie die richtige Fürsorge erhalten.

Sie sind der Grund, warum ich mich heute mit ganzem Herzen für die Gesundheit ehemaliger Legehennen engagiere. Sie haben meinen Weg als Tierheilpraktikerin entscheidend geprägt und motivieren mich jeden Tag aufs Neue, Halterinnen und Halter bei der Gesunderhaltung und Begleitung ihrer Hühner zu unterstützen.

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