
Landschildkröten auf die Winterstarre vorbereiten – was jetzt im Herbst wichtig ist
Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken und auch im Gehege wird es ruhiger. Unsere Landschildkröten werden zunehmend träger und fressen weniger.
Für die Tiere beginnt damit ganz natürlich die Vorbereitung auf die Winterstarre.
Für uns als Halter bedeutet das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, genauer hinzuschauen.
Denn eine gute Winterstarre beginnt nicht erst mit dem Einwintern. Die wichtigste Zeit ist eigentlich die Zeit davor.
Gerade jetzt sollte überprüft werden, ob die Schildkröte gesund und kräftig genug ist, um gut durch die Winterruhe zu kommen.
Welche Landschildkröten halten Winterstarre?

Europäische Landschildkröten wie die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni), die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) oder die Breitrandschildkröte (Testudo marginata) halten unter natürlichen Bedingungen eine Winterruhe.
Diese Ruhephase ist ein ganz natürlicher Bestandteil ihres Jahresrhythmus. Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, fährt der Stoffwechsel langsam herunter. Die Tiere werden weniger aktiv und stellen schließlich die Nahrungsaufnahme ein.
Wichtig ist allerdings: Nicht jede Schildkrötenart hält Winterstarre. Bevor eine Schildkröte überwintert wird, sollte deshalb immer bekannt sein, welcher Art und möglichst auch welcher Unterart sie angehört.
Auch die Bedingungen während der Winterruhe können sich je nach Art unterscheiden.
Der wichtigste Punkt: Ist meine Schildkröte gesund?
Bevor es an die eigentliche Vorbereitung geht, sollte zunächst der Gesundheitszustand überprüft werden.
Denn eine kranke oder deutlich geschwächte Schildkröte sollte nicht einfach in die Winterstarre geschickt werden.
Während der Winterruhe läuft der Stoffwechsel auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Körper hat dadurch nur eingeschränkte Möglichkeiten, auf Erkrankungen zu reagieren. Gleichzeitig bekommt man Veränderungen natürlich wesentlich schlechter mit als während der aktiven Zeit.
Deshalb lohnt sich jetzt ein genauer Blick:
- Frisst die Schildkröte noch entsprechend der Jahreszeit?
- Ist sie aktiv und verhält sich arttypisch?
- Sind Augen und Nase unauffällig?
- Gibt es Atemgeräusche oder Nasenausfluss?
- Wie sieht der Kot aus?
- Gibt es Veränderungen am Panzer oder an der Haut?
- Hat sich das Gewicht verändert?
- Wirkt das Tier kräftig und gut ernährt?
Kleine Auffälligkeiten sollte man nicht einfach mit der bevorstehenden Winterstarre erklären.
Wenn eine Schildkröte beispielsweise schon seit längerer Zeit schlecht frisst oder deutlich Gewicht verliert, sollte zunächst nach der Ursache gesucht werden.
Kotuntersuchung: lieber rechtzeitig als zu spät
Ein Punkt, den ich vor der Winterstarre besonders wichtig finde, ist die parasitologische Kotuntersuchung.
Schildkröten können Darmparasiten beherbergen, ohne dass man ihnen das sofort ansieht. Gerade deshalb reicht es nicht aus, sich ausschließlich auf das äußere Erscheinungsbild des Tieres zu verlassen.
Eine Kotuntersuchung kann beispielsweise Hinweise auf Würmer oder verschiedene Einzeller geben.
Warum ist der Zeitpunkt so wichtig?
Stellt man einen behandlungsbedürftigen Befund erst kurz vor der geplanten Winterstarre fest, wird es unnötig eng. Eine Behandlung braucht Zeit und anschließend sollte – je nach Befund – auch kontrolliert werden, ob sie erfolgreich war.
Deshalb sollte die Kotuntersuchung möglichst rechtzeitig im Spätsommer oder frühen Herbst erfolgen.
Und noch etwas: Nicht jeder nachgewiesene Parasit bedeutet automatisch, dass sofort behandelt werden muss. Entscheidend sind unter anderem Art und Menge der Parasiten sowie der Allgemeinzustand der Schildkröte.
Eine Behandlung „auf Verdacht“ ist deshalb nicht sinnvoll.
Das Gewicht im Blick behalten
Das Gewicht ist ein sehr hilfreicher Anhaltspunkt bei der Vorbereitung auf die Winterruhe.
Ich empfehle, das Gewicht regelmäßig zu dokumentieren und nicht nur einmal kurz vor dem Einwintern auf die Waage zu schauen.
So lässt sich erkennen, ob sich das Gewicht über die Saison stabil entwickelt oder ob es bereits vor der Winterruhe zu einem auffälligen Verlust kommt.
Gerade bei Jungtieren sollte die Gewichtsentwicklung besonders aufmerksam verfolgt werden.
Eine Schildkröte, die bereits vor der Winterruhe deutlich Gewicht verliert oder einen schlechten Allgemeinzustand zeigt, sollte nicht einfach überwintert werden.
Die Fütterung wird langsam weniger
Mit den kürzer werdenden Tagen und sinkenden Temperaturen verändert sich auch das Fressverhalten.
Die Schildkröte wird weniger aktiv und frisst zunehmend weniger. Dieser Prozess sollte möglichst natürlich und schrittweise erfolgen.
Bei einer naturnahen Haltung im Freigehege wird dieser Übergang weitgehend durch die natürlichen Umweltbedingungen gesteuert.
Wichtig ist: Nicht einfach bei noch warmen Temperaturen über längere Zeit das Futter komplett entziehen.
Die Schildkröte soll sich auf die Winterruhe vorbereiten und ihren Stoffwechsel langsam herunterfahren.
Muss der Darm vor der Winterstarre komplett leer sein?
Rund um dieses Thema gibt es nach wie vor viele unterschiedliche Empfehlungen.
Früher wurde häufig dazu geraten, Schildkröten vor der Winterruhe über längere Zeit warm zu baden, um eine möglichst vollständige Darmentleerung zu erreichen.
Heute wird dieses Vorgehen deutlich differenzierter gesehen.
Bei einer natürlichen Vorbereitung reduziert die Schildkröte ihre Nahrungsaufnahme selbst und der Stoffwechsel fährt langsam herunter. Eine künstlich erzwungene vollständige Darmentleerung ist deshalb nicht das eigentliche Ziel.
Lange warme Bäder können den Stoffwechsel sogar wieder ankurbeln, obwohl sich das Tier eigentlich bereits auf die Winterruhe einstellt.
Entscheidend ist daher eine natürliche und schrittweise Vorbereitung – nicht ein möglichst leerer Darm um jeden Preis.
Frisches Wasser sollte während der aktiven Vorbereitungsphase selbstverständlich weiterhin angeboten werden.
Jetzt das Winterquartier vorbereiten
Spätestens jetzt sollte auch das Überwinterungsquartier fertig sein.
Ob die Winterruhe im vorbereiteten Frühbeet, in einem geschützten Bereich oder in einer Überwinterungsbox stattfindet, hängt von der jeweiligen Haltung und den Möglichkeiten vor Ort ab.
Auch eine kontrollierte Überwinterung im Kühlschrank kann bei geeigneten Tieren und entsprechender Vorbereitung eine Möglichkeit sein.
Wichtig ist vor allem, dass die Bedingungen zuverlässig kontrolliert werden können.
Für viele Europäische Landschildkröten werden während der Winterruhe Temperaturen im Bereich von ungefähr 3 bis 7 °C angegeben. Die konkreten Anforderungen sollten allerdings immer an die Art und die gewählte Überwinterungsmethode angepasst werden.
Ein unbeheizter Keller ist deshalb nicht automatisch ein geeignetes Winterquartier.
Besonders wichtig sind:
✔ möglichst stabile Temperaturen
✔ geeignete Luftfeuchtigkeit
✔ ein passendes Substrat
✔ ausreichende Sicherheit
✔ Schutz vor Mäusen, Ratten und anderen Fressfeinden
Feuchtigkeit: nicht zu trocken, aber auch nicht nass
Ein häufiger Fehler bei der Überwinterung ist ein zu trockenes Quartier.
Auch während der Winterruhe kann eine Schildkröte Flüssigkeit verlieren. Gleichzeitig darf das Substrat natürlich nicht dauerhaft nass sein.
Es kommt deshalb auf ein ausgewogenes Verhältnis an.
Das geeignete Substrat und die benötigte Feuchtigkeit hängen wiederum von der jeweiligen Überwinterungsmethode ab.
Bei einer Überwinterung im Freiland sollte außerdem darauf geachtet werden, dass der Boden ausreichend tief, locker und gut drainiert ist.
Ein unterschätztes Risiko: Fressfeinde
Im Herbst werden Schildkröten immer langsamer.
Das ist völlig normal – macht sie aber gleichzeitig besonders schutzbedürftig.
Eine Schildkröte, die sich kaum noch bewegt und tief in ihrem Versteck sitzt, kann sich gegen einen Eindringling nicht einfach zur Wehr setzen.
Das Winterquartier sollte deshalb wirklich sicher vor Mäusen, Ratten und anderen Fressfeinden sein.
Gerade Mäuse können für überwinternde Schildkröten eine ernsthafte Gefahr darstellen.
Wann sollte eine Schildkröte nicht in die Winterstarre?
Nicht jede Schildkröte muss zwingend überwintert werden, nur weil der Kalender Herbst anzeigt.
Besondere Vorsicht ist angesagt bei:
- deutlichem oder ungeklärtem Gewichtsverlust
- anhaltender Appetitlosigkeit
- Durchfall oder auffälligem Kot
- Nasen- oder Augenausfluss
- Atemwegsproblemen
- Verletzungen
- auffälligen Veränderungen des Panzers
- deutlicher Schwäche
- ungewöhnlichem Verhalten
- schlechtem Allgemeinzustand
- einem behandlungsbedürftigen Parasitenbefall
Auch bei weiblichen Schildkröten sollte man aufmerksam sein, wenn ein Tier trotz entsprechendem Alter und bisherigem Verhalten plötzlich keine Eier mehr ablegt oder der Verdacht auf eine Legenot bzw. verbliebene Eier besteht.
Eine Winterstarre sollte niemals dazu dienen, gesundheitliche Probleme „auszusitzen“.
Wenn etwas nicht stimmt, sollte zunächst die Ursache geklärt werden.
Meine Checkliste für die Winterstarre
Bevor die Schildkröte in die Winterruhe geht, lohnt sich ein letzter Check:
☐ Art und Unterart sind bekannt und für Winterruhe geeignet
☐ Die Schildkröte zeigt keine Krankheitsanzeichen
☐ Gewicht wurde kontrolliert und dokumentiert
☐ Kotuntersuchung wurde rechtzeitig durchgeführt
☐ Ein auffälliger Befund wurde gegebenenfalls behandelt und kontrolliert
☐ Die Schildkröte befindet sich in einem guten Allgemeinzustand
☐ Die Futteraufnahme nimmt entsprechend der Jahreszeit ab
☐ Das Winterquartier ist vorbereitet
☐ Temperatur und Feuchtigkeit können kontrolliert werden
☐ Das Quartier ist sicher vor Mäusen und anderen Fressfeinden
☐ Die Bedingungen können während der gesamten Winterruhe überwacht werden
Gut vorbereitet durch den Winter
Die Winterstarre gehört für viele europäische Landschildkröten ganz selbstverständlich zum Jahresrhythmus.
Sie ist deshalb nichts, wovor man als Halter grundsätzlich Angst haben muss.
Die wichtigste Zeit ist allerdings nicht die Winterstarre selbst, sondern die Vorbereitung.
Wer rechtzeitig den Gesundheitszustand kontrolliert, das Gewicht dokumentiert, eine Kotuntersuchung durchführen lässt und das Winterquartier vorbereitet, hat genügend Zeit, auf Auffälligkeiten zu reagieren.
Und genau das ist für mich eine gute Schildkrötenhaltung:
Nicht erst handeln, wenn ein Problem entstanden ist, sondern die Bedürfnisse des Tieres vorausschauend berücksichtigen.
Du bist unsicher, ob deine Schildkröte bereit für die Winterstarre ist?
Bei meiner Haltungsberatung für Landschildkröten schauen wir gemeinsam auf Haltung, Ernährung, Jahresrhythmus und die Vorbereitung auf die Winterruhe.
Denn eine artgerechte Haltung bedeutet nicht nur ein schönes Gehege im Sommer – sondern einen Jahresrhythmus, der sich an den natürlichen Bedürfnissen der Schildkröte orientiert.